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Urwälder in Europa
Urwälder sind ihrer natürlichen Vegetation überlassen und stehen unter keinem Einfluss von Menschen. Ein Urwald kann sich demnach völlig ungestört weiter entwickeln und zählt deshalb zu den natürlichsten Ökosystemen. Bäume sterben ab, neue Bäume wachsen heran. Alles ist dem Verlauf der Natur überlassen. Welche Bestimmungen ein Urwald erfüllen muss, ist in der „Food and Agriculture Organization“, kurz FAO, genau festgehalten. Deutschland trat 1950 der FAO bei. Laut der Organisation entsprechen etwa 36 Prozent aller Wälder einem Urwald. Die Zahl sinkt jedoch drastisch nach unten. Jedes Jahr werden etwa 6 Millionen Hektar abgeholzt. Diese Zahl muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, um zu begreifen, was dies für die Urwälder auf der gesamten Welt bedeutet.
Die größten Flächen
In Europa sind Urwälder fast ganz verschwunden und nur noch wenige Exemplare erhalten. Der größte zusammenhängende, noch vollständig erhaltene Urwald Europas liegt im Iran, zwischen dem Elburs Gebirge und dem Kaspischen Meer. Die gesamte Waldfläche umfasst etwa 2 Millionen Hektar. Nur noch 300.000 davon gelten als wirklich unberührt. Die größten Reste eines früheren Urwaldes, lassen sich in Skandinavien erkennen. Letzte Ausläufer sind vor allem am Fuße des Skandinavischen Gebirges vorhanden. Vergleicht man die Größe jedoch mit den subtropischen Urwäldern, erscheinen die europäischen wie Zwerge.
Ein kleiner Urwald in Österreich
Verstreut in ganz Europa liegen noch kleinere, aber noch gut erhaltene Urwälder. Einer davon liegt in Österreich. Im Wildnisgebiet Dürrenstein befinden sich etwa 2400 Hektar Urwald. Dies ist der größte Urwald in Mitteleuropa. Etwa 500 Hektar davon sind seit der Eiszeit dem natürlichen Kreislauf überlassen. Hier leben auch dauerhaft die letzten freilebenden Braunbären im deutschsprachigen Raum. In den Waldkarpaten in der Ukraine und der Slowakei sind einige Urwälder aus Rotbuche erhalten. Das gesamte Gebiet zählt zum Weltnaturerbe der UNESCO. Auch in den rumänischen Karpaten stehen beindruckende Rotbuchen, welche einen Urwaldähnlichen Charakter haben. Die dortigen Buchen weisen einen Durchmesser von 140 cm in Brusthöhe auf.
Flächen im Osten bzw. Südosten Europas
Einige Bergwälder im Dinarischen Gebirge, welches in Südosteuropa liegt, zählen ebenfalls zu den letzten Urwäldern in Europa. Hier sind über 60 m hohe Nadelbäume beheimatet, welche zugleich die höchsten Bäume in Europa sind. Im Orjen, einem Hochgebirge in Montenegro, finden sich seltene Waldgesellschaften wieder, welche ebenfalls sehr natürlich wachsen können. Im Osten von Europa, zwischen Polen und Weißrussland, liegt der Białowieża-Nationalpark. Er gilt als letzter, im Tiefland gelegene, Urwald Europas. Auch dieser Mischwald gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO. Das Maskottchen des Nationalparks ist das Wisent, welches noch vor wenigen Jahren als wildlebend ausgerottet galt.
Die Situation in Deutschland
Deutschland ist in den ganzen Aufführungen bisher kein einziges Mal aufgetaucht. Dies liegt daran, dass es in Deutschland keine Urwälder mehr gibt. Lediglich kleinere Gebiete, welche einen ähnlichen Charakter aufweisen, sind noch im Thüringer Wald, im Bayerischen Wald oder im Harz zu finden. Zwar gibt es einige Wälder, die seit einigen Jahren nicht mehr von Menschen genutzt werden, bis diese jedoch wieder einen typischen Urwaldcharakter aufweisen, wird es noch viele Jahrhunderte dauern. Die größte, nicht genutzte Laubwaldfläche in Deutschland ist der Nationalpark Hainich mit einer Größe von etwa 5.000 Hektar.
Fotoquelle: AV – Fotolia.com




